Yamahas erster Weltmeister Phil Read: "Sie gaben mir vier Geishas....."
Phil Read war nicht nur der erste Yamaha-Weltmeister, als er 1964 auf der RD56-Zweizylinder Jim Redman in einem der härtesten Kämpfe der Renngeschichte entthronte.
Phil Read war nicht nur der erste Yamaha-Weltmeister, als er 1964 auf der RD56-Zweizylinder Jim Redman in einem der härtesten Kämpfe der Renngeschichte entthronte, er holte für das Werk aus Hamamatsu auch die meisten Titel überhaupt. Zum Doppel von 1968 (125+250 ccm) kamen noch weitere drei Viertelliter-Titel dazu. Und er war der erste Weltmeister in einer Kategorie oberhalb der 125er-Klasse auf einem Zweitakter.
Manchmal braucht man das notwendige Glück, aber natürlich auch die Begabung, den richtigen Weg zu finden. Phil Read hatte beides. Aus seiner guten Bekanntschaft mit dem damaligen Spitzenfahrer Yamahas, Fumio Ito (u.a. erster Yamaha-GP-Sieger der Renngeschichte, 1963 in Spa-Francorchamps), wurde Freundschaft. Und diese war bedeutsam dafür, dass sich Read die Türen des japanischen Werkes öffneten.
"Eine Yamaha sah ich erstmals auf der Insel Man 1961 während der TT (Read gewann in besagtem Jahr den ersten seiner 52 GP-Siege auf einer 350-ccm-Norton), und zwei Jahre später gab es den nächsten Kontakt" sagte der 72-jährige Read. "Ich fuhr damals eine Gilera in der Scuderia Duke und wohnte im selben Hotel wie Fumio Ito. Wir kamen ins Gespräch und lernten uns schätzen. Fumio legte später ein gutes Wort bei Yamaha für mich ein, und sie gaben mir im letzten WM-Lauf des Jahres eine Chance. Yamaha hatte zwar zu diesem Zeitpunkt keine Möglichkeit mehr, den Titel zu gewinnen, aber ich hätte zumindest mithelfen können, Jim Redman und damit Hauptkonkurrent Honda an diesem zu hindern.Ich führte das Rennen an, bis ein Kerzenschaden mich auf den dritten Platz zurückwarf. Das war sehr schade, aber die Yamaha-Leute waren beeindruckt und fragten mich:' Read-san, wieviel Geld möchtest Du haben?' Ich nannte ihnen meine Vorstellungen. Nun, sie waren etwas überrascht, denn für 1964 hatten sie - wie schon 1963 -für keine komplette WM-Saison, sondern nur für 5 ausgewählte Läufe geplant. Daraufhin schlug ich Ihnen vor, dass sie mich mit zwei Motorrädern und zwei Mechanikern in den übrigen sechs Rennen unterstützen sollten. Am folgenden Tag sagten sie:'Phil-san, wir sind einverstanden'."
Diese Übereinkunft brachte ein für beide Seiten erstklassiges Ergebnis. Wie schon eingangs erwähnt, wurde Phil Weltmeister und gewann dabei fünf Grand Prix. Das wohl Wichtigste für die Yamaha-Bosse aber war, dass man dem Erzrivalen Honda den Titel wegnehmen konnte.
"Vier von den fünf Rennen gewann ich auf der privat eingeschriebenen Yamaha", sagte Read und lächelte dabei.
"Aber gegen Ende der Saison - die Titelentscheidung fiel erst im vorletzten Lauf in Monza - bekam ich Probleme in Gestalt der neuen Honda-6. Diese Maschine ist zweifellos ein ingenieurtechnisches Meisterwerk und nun eine Legende. Der Sound aus den 6 Auspuffrohren gehört wohl zu den beeindruckendsten 'Klängen', die ein Rennmotorrad je von sich gab. Wie gesagt, ich spürte das Problem förmlich im Nacken, und ich hatte nur zwei Motorräder und einen englischen Mechaniker. Die Anweisungen für die Vergasereinstellungen entnahmen wir den Notizen auf einer Postkartenrückseite!!! In meiner Not sandte ich ein Telegramm nach Japan und bat um die Hilfe japanischer Mechaniker. Sie verstanden mich und ließen mir entsprechende Hilfe zukommen. Ich gewann das entscheidende Rennen in Monza. Und Mike Duff, der mir schon in Spa-Francorchamps (wo ich ausgefallen war) mit dem Sieg über Jim einen großen Dienst erwiesen hatte, verwies meinen Titel-Rivalen um gerade mal 3/10 Sekunden auf den dritten Rang."
Somit war ein Rennen vor Saisonschluß der Titel gesichert. Und es war nicht nur der Fahrertitel, nein - Yamaha gewann auch die so prestigeträchtige Markenwertung.
"Es gab eine große Feier im Yamaha-Werk. Und sie gaben mir vier Geisha-Mädchen zur Seite als Zeichen ihrer großen Dankbarkeit", scherzte Read. "Ich wurde gebeten, im Rathaus von Hamamatsu eine Ansprache zu halten, und alle Yamaha-Mitarbeiter hatten einen Tag frei. Alles war ganz besonders, Ich war Ingenieur und hatte wesentlich dazu beigetragen, dass die Yamahas das Niveau erreicht hatten, auf dem sie nun waren. Letztendlich führte das Ganze Ende 1967 zum zeitweiligen totalen Rücktritt Hondas aus dem Renngeschehen, und Suzuki zog sich aus der 125-ccm-Klasse zurück.
Sieben Jahre nach seinem ersten gewann Read seinen vierten und letzten 250-ccm-WM-Titel. "Ich bin noch immer überzeugt, dass wir auch 1966 und 1967 gute Chancen gehabt hätten, Honda den Viertellitertitel vorzuenthalten. Es gab aber zuviele mechanische Probleme (die Titelentscheidung zwischen Hondas Mike Hailwood und Yamahas Phil Read fiel 1967 am "Grünen Tisch", Hailwood hatte bei Punktgleichheit einen Sieg mehr). Der Titel von 1971 war also ein besonderer, denn ich schlug die Semi-Werksfahrer Gould und Saarinen (Yamaha vergab das Werksmaterial seit 1969 an spezielle europäische Importeure) mit meiner Privatmaschine. Ehrlich - ich war mir dieser Leistung damals gar nicht voll bewußt und realisierte es erst richtig viel später."
Als Yamahas erster Weltmeister spielt Phil Read eine wichtige Rolle während der Festlichkeiten anläßlich des Ereignisses "50 Jahre Yamaha in der Weltmeisterschaft".
"Ich fühle mich sehr geehrt" gibt Read zu. Während der nun neunten Ausgabe von "The Bikers Classics" wird er den Ardennenkurs auf einer RD 05A umrunden. Diese spektakuläre V-4-Maschine debütierte 1965 in Monza, kämpfte aber lange mit Kinderkrankheiten. Erst 1967 machte sie Honda dann das Leben sehr schwer. Die Maschine ist Phils Lieblingsmotorrad. Am ersten Juliwochenende wird Phil auf einer Maschine des "Yamaha Classic Racing Team". Ferry Brouwer und sein Team verwendeten für deren Bau Werks-Originalzeichnungen. "Zurück in die Sechziger, wir hatten damals ganz schön zu tun", sagte Read.
"Zum einen mußten wir die RD56-Zweizylinder weiterentwickeln, zum anderen aber auch die V4 zum Laufen bringen. Das war mit einer immensen Arbeit verbunden - wir hatten zuerst schwer zu kämpfen, aber schafften es letztendlich. Die RD05A ist noch immer gut zu fahren. Ein brilliantes Handling".














